Der Saale-Radwanderweg: Von Maua nach Dorndorf
Bilder und Text von Günter Oswald

Der 427 km lange Saale-Radwanderweg begleitet die Saale von der Quelle im Fichtelgebirge bei Zell (Bayern) bis zur Mündung in die Elbe bei Barby (Sachsen-Anhalt). Er verläuft durch eine eindrucksvolle Landschaft und mehrere bedeutende Städte wie Hof, Saalfeld, Rudolstadt, Jena und Halle. Doch das Schönste, was der Wanderweg zu bieten hat, sind die zahlreichen Burgen und Schlösser. Sie stehen zu beiden Seiten der Saale in dichter Folge. Die meisten von ihnen entstanden im 10. und 11. Jahrhundert, als die Grenze zwischen dem Ostfrankenreich und den Slawen an der Saale verlief.

Der Saale-Radwanderweg besitzt in seinem Oberlauf viele Anstiege. Ab Saalfeld flussabwärts ist er auch für Familien mit Kindern geeignet.

Die Teilstrecke führt von Maua nach Dorndorf. Aus südlicher Richtung kommend erreicht der Radwanderer Maua über einen asphaltierten Weg. Der Radwanderweg verläuft am Sportplatz Maua nach links über den Bahnübergang, dann folgt er dem Bahndamm und biegt am Ende des Ortes linkseitig ab.

Die Kirche in Maua ist gut erhalten und besitzt einen großen spätgotischen Chor und zwei spätgotische Flügelaltäre aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Interessant ist auch die Wassermühle. Sie wurde 1517 erstmals urkundlich erwähnt. Johann Wolfgang Goethe besuchte 1780 die Mühle und lobte den technischen Zustand. Im Jahr 1806 errichteten preußische und napoleonische Truppen einen Biwakplatz im Ort. Auch Napoleon soll die Mühle gesehen haben.

Der Radwanderer kann anschließend auf dem Geh- und Radweg neben der B 88 nach Göschwitz weiterfahren. Hier kann man die 1510 erbaute ev. Pfarrkirche besichtigen.

Der Radwanderweg verläuft über die Bahntrassen zum Gewerbegebiet Göschwitz, biegt dann rechter Hand in die Prüssingstraße ab und überquert kurz darauf die Saale. Nun geht es entlang der Saale durch Gartenanlagen in Richtung Lobeda. Vom Radweg kann man das Alte Schloss und die ev. Pfarrkirche St. Peter erkennen. Sie besitzt einen Chor aus dem 15. Jahrhundert und beeindruckende hölzerne Tonnengewölbe und Emporen. Über dem Ort erhebt sich die Lobdeburg, die im 12. Jahrhundert von den Herren von Lobdeburg erbaut wurde.

Der Saale-Radwanderweg führt in nördlicher Richtung parallel zur Stadtrodaer Straße. Links vom Weg sieht man Burgau liegen, das über die „Alte Burgauer Brücke“ erreicht werden kann.

Nach einigen hundert Metern passiert der Radwanderer den Ort Wöllnitz. Dort hat man einen reizvollen Blick zur Kirche und zum Johannisberg. Die Kirche wurde von 1740 bis 1743 als Zentralbau errichtet. Das äußere Erscheinungsbild wird durch Mittelrisalite mit Schweifgiebeln an den Längsseiten, einem Zeltdach und dem mittigen Dachturm bestimmt.

Auf einem asphaltierten Weg fährt der Radwanderer am Ernst-Abbe-Sportfeld vorbei und anschließend durch das „Jenaer Paradies“, wo in früheren Zeiten viele kulturelle Veranstaltungen stattfanden. Von hier aus hat man einen reizvollen Blick auf die Kernberge mit ihren Felsen.

An der Paradiesbrücke überquert der Radwanderweg die Stadtrodaer Straße und verläuft am Eisenbahndamm entlang.

Nachdem der Wanderweg die Camsdorfer Brücke überquert hat, biegt er vor der Gaststätte „Grüne Tanne“ nach links in das Wenigenjenaer Ufer ein und passiert einen Gedenkstein von Friedrich Schiller. Die Grüne Tanne ist seit 1994 Sitz der Burschenschaft „Arminia auf dem Burgkeller“.

Der Radwanderweg folgt der Tümplingstraße, in deren Nähe sich die Schillerkirche befindet. Diese ev. Kirche aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts besteht aus einem Chor mit unvollendetem Nordturm, niedrigerem und kürzerem Langhaus und kleinen Anbauten an der Westseite. Zur Erinnerung an die hier 1790 vollzogene Trauung Schillers mit Charlotte von Lengefeld benannte man 1909 die ehemalige Kirche St. Maria in Schillerkirche um.

Durch eine idyllische Landschaft geht es weiter nach Kunitz. Das heute zu Jena gehörende, reizvoll zwischen Gleisberg und Jenzig gelegene Dorf hat einige hübsche ältere Häuschen und eine Kirche aus dem 18. Jahrhundert aufzuweisen. Die einschiffige Kirche mit Mansarddach besitzt ein dreiteiliges gemaltes Altarretabel aus dem 15. Jahrhundert. Am Hang gegenüber thront die Ruine der einstigen Burg Gleisberg, auch Kunitzburg genannt. Der Radwanderer durchfährt den Ort bis zur Hauptstraße und biegt dann nach links ab. Er überquert die Saale und fährt weiter bis zum Gewerbegebiet Zwätzen.

An der Saalebahn angekommen, geht es auf einem ausgebauten Radweg bis Porstendorf. Dieser heute unbedeutende Ort, von dem höchstens der Badesee mit Campingplatz und das rauschende Wasser am Wehr der Lache in Erinnerung bleiben könnten, hatte seine bedeutendste Zeit im hohen Mittelalter. Damals gab es hier verschiedene Klöster, wovon aber heute leider nichts mehr zu finden ist.

Der Radwanderweg führt auf einer wenig befahrenen Straße nach Golmsdorf, das nur am Rande passiert wird. Die ev. Filialkirche St. Barbara im Ort hat einen eingezogenen, rechteckigen Chorturm, dessen unterer, mittelalterlicher Teil in jüngerer Zeit um ein Fachwerkgeschoss mit Walmdach erhöht wurde.

Auf asphaltierter Anliegerstraße fährt man am Waldrand entlang Richtung Dorndorf. Schon von weitem grüßen die drei Dornburger Schlösser von einem Felsen. Die Auffahrt nach Dornburg zu den drei Schlössern ist empfehlenswert. Von hier hat man eine phantastische Aussicht auf Dorndorf und das Saaletal. Das Alte Schloss, das nördliche von den drei Dornburger Schlössern, ist ein Renaissancegebäude und wurde 1521 auf den Mauern einer alten Reichsburg errichtet. Das südliche Schloss ist ebenfalls ein Renaissancebau und entstand 1539. Da Goethe dieses Haus oft besuchte, richtete man ihm zu Ehren hier eine Gedenkstätte ein. Das mittlere der drei Schlösser ist ein Rokokoschloss, welches 1747 vollendet wurde. Vor den Schlössern befindet sich ein alter Park im englischen Stil.

In Dorndorf führte schon im frühen Mittelalter eine hölzerne Brücke über die Saale, die lange Zeit einzige Saaleüberführung zwischen Jena und Camburg war. Diese verhalf auch der Dornburger Kirche zu ihrem ungewöhnlichen Name: „St. Peter an der Brücke“. Die große Kirche mit Mansarddach und Ostturm wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Einbeziehung älterer Bauteile errichtet. Von hier führt der Radwanderweg weiter bis an die Saale. Diese überquert man auf der 1892 erbauten Carl-Alexander-Brücke. Der Saale-Radwanderweg passiert das Dorndorfer Zementwerk und verläuft dann oberhalb der Saale auf einem Feldweg und einer wenig befahrenen Straße nach Camburg.

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