Der Radfernweg Thüringer Städtekette: Von Mellingen nach Stadtroda
Bilder und Text von Günter Oswald

Der Radfernweg Thüringer Städtekette verbindet die Wartburgstadt Eisenach im Westen des Freistaates Thüringen mit der Skatstadt Altenburg im Osten und hat eine Länge von 240 km. Er führt durch einige der schönsten Thüringer Städte und durch reizvolle Landschaften. Dieser Radwanderweg ist besonders für Kulturinteressierte geeignet. Der Radwanderer hat die Möglichkeit historische Innenstädte und bekannte Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen.

Der Streckenabschnitt führt von Mellingen nach Stadtroda.

Der Radfernweg verläuft in östlicher Richtung durch den an der Ilm gelegenen Ort Mellingen. Obwohl sich Mellingen in den letzten Jahren wirtschaftlich stark entwickelt hat, ist die alte Dorfstruktur mit vielen schönen Bauernhäusern erhalten geblieben. Hier kann man die Pfarrkirche St. Georg und eine Oelmühle besichtigen. Drei Mahlsteine sowie die Hauptwelle stammen von der im Jahre 1340 erwähnten Mühle, mit der man Ölfrüchte zerkleinerte. Die Kirche entstand 1669 aus einer Chorturmkirche, deren Langhaus von 1724 bis 1730 erneuert wurde.

Der Künstler Lyonel Feininger malte während seines Aufenthaltes in Deutschland auch in Mellingen. Angeregt von Feiningers Motiv der Mellinger Kirche entstand der südlich des Ortes gelegene Feiningerturm. Er empfindet Feiningers Malweise in dreidimensionaler Form nach und wurde in einer ungewöhnlichen Materialkomposition von Stahl und Bambusrohr ausgeführt.

Der Radfahrer kann nun auf einer Landstraße nach Lehnstedt weiterfahren. Die Lehnstedter Kirche St. Magdalena ist eine Chorturmkirche und stammt größtenteils aus dem 12. Jahrhundert. Nach einem Brand wurde von 1798 bis 1802 ein Mansarddach errichtet. Vor der Kirche steht ein Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Am Ortsausgang stehen drei Steinkreuze, die daran erinnern, dass im 17. Jahrhundert in Lehnstedt Menschen an der Pest gestorben sind.
Daneben befindet sich ein Denkmal für KZ-Häftlinge, die bei einem Marsch im April 1945 umgekommen sind.

Auf der Landstraße geht es weiter in Richtung Kleinschwabhausen, das nur am Rande berührt wird. Die im Ort stehende romanische Chorturmkirche wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gebaut. Am Ende des 15. Jahrhunderts kam an die Stelle der Ostapsis ein fünfseitiger Chorschluss.
Der Radfernweg verläuft parallel zur Eisenbahnlinie nach Großschwabhausen.
Hinter dem Bahnhof biegt man rechtsseitig ab und fährt durch den Ort.

Die romanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert ist gotisch überformt worden. Anschließend geht es durch den Schwabhäuser Grund in das Mühltal, wo sich ein großes Waldgebiet erstreckt. Dort kommt der Radfahrer an der Gaststätte „Carl August“ vorbei. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erinnert ein Obelisk an den Großherzog Carl August.

Von hier aus fährt man auf einem ausgebauten Weg neben der B 7 in Richtung Jena bis zur Gaststätte Papiermühle. Der Radfahrer kann von dort aus einen Abstecher von ca. 1 km Länge zur Gedenkstätte 1806 in Cospeda machen. Dieses sehenswerte Museum ist der Schlacht vom 14. Oktober 1806 gewidmet.
Fährt der Radfahrer weiter empfängt ihn die Universitätsstadt Jena, eingebettet in südländisch anmutende Muschelkalkberge.

Der Radfernweg führt durch ein Villenviertel ins Stadtzentrum. Dort kann man historische Gebäude wie das Johannistor, den Pulverturm, den Anatomieturm, das Rathaus, die Stadtkirche sowie einen botanischen Garten besichtigen. Auch modernere Gebäude wie der Intershoptower und das ehemalige Zeisswerk sind hier vorhanden.

Der Radfernweg führt nun über die Paradiesbrücke ins Jenaer Paradies, wo in früheren Zeiten viele kulturelle Veranstaltungen stattfanden. Von hier aus hat man eine gute Sicht auf die Kernberge mit ihren Felsen.

Bei der weiteren Fahrt südwärts sieht der Radwanderer auf der rechten Seite das Ernst-Abbe-Sportfeld liegen.
Der Radfernweg verläuft dann parallel zur Stadtrodaer Straße. Bei Wöllnitz hat man einen reizvollen Blick zur Kirche, ein barocker Zentralbau, und zum Johannisberg.
Nach einigen hundert Metern erreicht man Lobeda. Vom Radfernweg kann man das Alte Schloss und die ev. Pfarrkirche St. Peter erkennen. Sie besitzt einen Chor aus dem 15. Jahrhundert und beeindruckende hölzerne Tonnengewölbe sowie Emporen. Über dem Ort erhebt sich die Lobdeburg, die im 12. Jahrhundert von den Herren von Lobdeburg erbaut wurde.

Der Weg führt durch eine Gartenanlage und anschließend über die Saale nach Göschwitz. Hier kann man die 1510 erbaute Dorfkirche besichtigen.

Nun fährt man über die Bahntrassen zur B 88. Der Radfernweg verläuft neben der Bundesstraße durch die Autobahnunterführung. Die Autobahnbrücke wurde von 1938 bis 1941 für die Autobahn A 4 erbaut. Sie besitzt 17 Rundbögen und hat eine Gesamtlänge von ca. 750 m. Am Ortseingang von Maua wird nach links abgebogen. Die Kirche St. Laurentius im Ort ist gut erhalten und besitzt einen großen spätgotischen Chor und zwei spätgotische Flügelaltäre aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Interessant ist auch die Wassermühle. Sie wurde 1517 erstmals urkundlich erwähnt. Johann Wolfgang Goethe besuchte 1780 die Mühle und lobte den technischen Zustand. Im Jahr 1806 errichteten preußische und napoleonische Truppen einen Biwakplatz im Ort. Auch Napoleon soll die Mühle gesehen haben.

Der Radfernweg überquert die Saale und folgt der Straße bis Rutha. Die einschiffige Kirche im Dorf ist ein steinsichtiger Quaderbau im Rundbogenstil und wurde von 1840 bis 1842 erbaut.

Der Radfahrer hat nun die Wahl: Er kann zur Stadtrodaer Straße und dann weiter nach Zöllnitz fahren, er kann aber auch in Richtung Sulza fahren und dann linksseitig auf einem Feldweg durch eine schöne Landschaft radeln. Zur Linken erkennt man Lobeda Ost. Dahinter erhebt sich der Einsiedlerberg, von dem man eine großartige Fernsicht hat.

In Zöllnitz kann der Radwanderer zwei alte Schulen entdecken. Eine Schule wurde im Jahre 1799 erbaut, die andere 1903-1904. Die Saalkirche mit schlankem östlichen Dachturm stammt aus dem 18. Jahrhundert. Der „Vogelpastor“ Christian Ludwig Brehm war hier 1812 Pfarrer.

Auf einer asphaltierten Anliegerstraße geht es durch eine idyllische Landschaft in Richtung Laasdorf. Dort steht eine Kirche, die in den Jahren 1770/71 neu errichtet wurde. Vom älteren Kirchenbau sind noch zwei spätgotische Figuren des ehemaligen Altarwerkes erhalten.

Nun verläuft der Radfernweg leicht ansteigend an Wiesen und Feldern vorbei nach Gernewitz. Die auf einer felsigen Anhöhe stehende Kirche wurde 1790 eingeweiht, nachdem ihre Vorgängerin wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Im schlichten Innenraum dominiert der Kanzelaltar.

Der Radfahrer fährt in östlicher Richtung weiter und erreicht das ehemalige Klosterdorf Hainbücht. Der Ort hat seinen Namen von den Hainbuchen, die in früheren Zeiten hier standen. Die sich am nördlichen Ortsrand befindende Wassermühle wurde 1617 erstmals erwähnt. Das mittelschlächtige Wasserrad hat einen Durchmesser von vier Metern und dreht sich heute noch.

Zurückgekehrt auf den Radfernweg gelangt man nach Stadtroda. Der Radfahrer findet hier die Ruine der Zisterzienserinnenklosterkirche, die Pfarrkirche St. Salvator, die ein achteckiger Renaissance-Zentralbau ist und die Heilig-Kreuz-Kirche mit dem spätromanischen Turmchor. Außerdem sind noch ein Schloss, ein schlichter Barockbau von 1663, und das Rote Tor am Töpferberg von der Stadtbefestigung erhalten.

Der Radfernweg verläuft durch den nördlichen Teil von Stadtroda in den Zeitzgrund. Der Zeitzgrund ist ein bewaldetes Tal von besonderer Schönheit. Dort befinden sich vier Mühlen, in denen heute Gastwirtschaften untergebracht sind.

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