Von Ollendorf nach Nermsdorf
Eine Wanderung

Bilder und Text von Nico Neumann


Am Nachmittag mit dem Bus in Ollendorf angekommen, beginnt meine Wanderung nach Nermsdorf. Um dem alten Verlauf der mittelalterlichen Via Regia folgen zu können, halte ich mich an die Beschreibungen von Thorsten Lieberenz, der im Auftrag der Uni Weimar seinerzeit umfangreich dazu forschte. Wie auch Lieberenz muß ich jedoch feststellen, daß der originale Lauf oft überflügt und im Zuge der Zeit verschwunden ist, so daß ich mich der Strecke nur annähern kann.

Demnach ist mein nächstes Ziel also Hottelstedt. Es ist ein wirklich heißer Julitag, der Himmel zeigt sich in strahlendem Blau und viele Mähdrescher sind unterwegs, um das Korn einzufahren. „Am oberen Ortsausgang von Ollendorf zweigt die alte Straße von der neuen Landstraße ab und führt leicht bergauf geradeaus Feldeinwärts.“*Thorsten Lieberenz

Hier stehen ein paar Kirschbäume, die jetzt gerade in voller Reife sind. Ich labe mich daran und ziehe weiter. Es geht fast 2,5 km schnurgerade auf dem gut zu laufenden Weg, er ist von jungen Bäumen und Buschwerk eingefaßt und links und rechts rauscht der Wind leise durch die Kornfelder. Die Windräder bei Hottelstedt sind schon von weitem zu sehen, erst später schaut die Kirchturmspitze des Dorfes hervor.

Am Ort trifft der Weg wieder auf die Landstraße von Ballstedt. Rechts in das Dorf hinein kehre ich in den “Landgasthof Hottelstedt“ der Familie Lorenz ein. Er gibt sich recht ostalgisch, gemütlich, mit Speis und Trank im Angebot. Es ist ganztägig geöffnet, Übernachtungsmöglichkeiten gibt es jedoch nicht. Nach einem Schnitzel und einem Radler mache ich eine kleine Runde durchs Dorf. Die Kirche zeigt sich verschlafen, doch auf dem großen Geflügelhof ist viel Bewegung spürbar. Einkaufmöglichkeiten gibt es nicht, ein kleiner Zierfischzüchter, sonst nichts. Der Bus fährt regelmäßig nach Weimar.

Am Geflügelhof vorbei geht es nun die 2 km Feldweg nach Ottmannshausen. Auch hier begrüßt mich das Rot der reifen Kirschen am Wegesrand, hier und da steht auch ein Apfelbaum.

Vor dem Ort findet sich zur rechten eine schöne Naturaue des Synderbachs, die sich dem Ettersberg anlehnt. Das herrliche Grün der Bäume und der feuchten Wiesen ist eine willkommene Abwechslung zur sonst doch stark beackerten Landschaft. Ottmannshausen selbst begrüßt mich mit einem kleinem aber feinen und bei Temperaturen um die 30°C gut gefüllten Freibad.

In der doch recht trostlos anmutenden Dorfmitte weisen mir ein paar Kinder den Weg. Nach Links Richtung Berlstedt befindet sich der Gasthof “Zum goldenen Hufeisen“, wo auch eine Küche mit Speisen bewirtet. Ich biege jedoch Rechts in Richtung Kirche ab und kehre in die kleine Feierabendkneipe “Zum Bierstübchen“ ein. Sie ist ab 17.°° Uhr geöffnet und bietet in familiärer Atmosphäre segenswert kühle Getränke. Die Menschen hier sind ein lustiges Völkchen und wissen so manchen Witz zu erzählen.

Der Bus fährt auch hier regelmäßig nach Weimar und Sömmerda. An der Kirche führt die schmale Straße links bis zum Bach. Hier zeigt sich das Dorf freundlich und verspielt. Ohne den Bach zu überqueren biegt die Route rechts ab und es geht gerade übers Feld 1,5 km bis nach Stedten.

Der Weg ist nicht stark genutzt und dadurch ein wenig verwildert, hohe Pappeln bieten ihm Schatten und ich bin schnell an den Pferdekoppeln vor Stedten angekommen. Zur Begrüßung gibt es ein freundliches Wiehern und Schnaufen. Nun geht es ein kleines Stück die Landstraße ins Dorf hinein. Nach einem Schlenker nach Rechts die Dorfstraße entlang treffe ich auf die Kirche und Links die Gasse hinunter auf “Moni’s Schenke“. Der Ort läßt alte Dorfstrukturen vermissen, stellt sich aber auch jung, offen und freundlich dar.

Nach einem netten Gespräch mit den Leuten übernachte ich in der Pilgerkirche. Hier hat man eine kleine Unterkunft für die Pilger des Jakobsweges eingerichtet. Bei Fragen zu Übernachtung und Schlüssel helfen die Dorfbewohner gern weiter.

Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht. Der Bus fährt regelmäßig.

Der Pilgerwanderweg kommt aus Schwerstedt hierher, mein Weg führt mich jedoch nach Ramsla.

Am nächsten Morgen gehts also an der Kirche vorbei 2 km auf dem Radfußweg neben der Landstraße. Geht man im Ort die erste Querstraße links, so trifft man auf die “Getränkeklause“. Für mich noch zu früh, also ziehe ich weiter. Ganz anders als das Nachbardorf macht der Ort einen alten, gediegenen Eindruck.

Weiter auf der Hauptstraße kehre ich “Zum goldenen Hufeisen“ ein. Ein kleiner gemütlicher Familienbetrieb mit Gasthof und Pension

Dann gehts geradeaus bis ca. 50 m nach dem Ortsschild, wo ein Wirtschaftsweg nach Links 3 km Richtung Heichelheim verläuft.

Vor Heichelheim, in dem sich auch das thüringer Kloßmuseum befindet, biege ich nach Links zur alten Mühle ab. Sie dient heute als Restaurant und Landhotel der Erholung und liegt direkt am Stausee Heichelheim. Bis zum nächsten Ziel Daasdorf sind es noch 3 km übers Feld. Ich gehe rechts an der Mühle vorbei auf dem Feldwege bis zu einer kleinen von Weiden beschatteten Badewiese. Nach langer Trockenzeit und großer Hitze hat der Stand des Wassers zwar stark abgenommen und besonders sauber ist es auch nicht mehr, aber das Bad tut mir trotzdem sehr gut.

Es geht weiter um den See herum bis zur Spitze, dann ein Stück die Wirtschaftsstraße hinunter und Links ab auf den recht verwucherten Feldweg nach Daasdorf.

Anfangs führt der Weg quer durchs Feld und macht dann eine Kurve parallel zum Rabenbach. Hier läuft es sich schön, mit den Pappeln und Weiden am Bach zur Linken und dem goldenen Korn zur Rechten kommt ländliche Idylle auf. Feldhasen und Milane sind hier zu hause. Obwohl der Weg ein Wenig abseitz der VIA REGIA verläuft, gibt er mir hier doch stark das Gefühl, auf ihr zu reisen.

In Daasdorf angekommen empfängt mich gleich “Imbiss Big Foot“ mit Schnitzel und Cola. Das wurde auch Zeit, denn es ist Mittag und das Frühstück ist schon eine Weile her. Hier ist auch die Bushaltestelle, von der aus die Busse regelmäßig nach Weimar fahren.

Nun gehts durchs recht aufgeräumt wirkende Dorf. Es sieht sich in der glücklichen Lage, daß die Landstraße den Ort nicht mittig zerschneidet (wie allzuoft), sondern relativ am Rand verläuft. Dadurch strahlt es Ruhe und Gemütlichkeit aus.

An der Kirche vorbei schlage ich einen Linksbogen auf die Wirtschaftsstraße von Rohrbach und biege rechts auf den Pfad durchs Landschaftsschutzgebiet parallel zur Rassel ein. Die nächsten 1,5 km sollen mich nun nach Buttelstedt bringen.

Der Rabenbach speist hier mehrere Teiche, zu dessen Rechten der Weg sich an alten Eichen entlang zieht. Schwanfamilien, Enten und Reiher finden hier ihr Kleinod. Beobachtet vom Buttelstedter Kirchturm ziehe ich weiter und gelange in einen wunderschönen Gartenhain von dem es ins recht verschlafene Dorf zu seinem alten Marktplatz dem Burgplatz und der hochgelegenen Kirche geht. Hier gibt es natürlich Bierstuben, einen Dönerimbiß, eine Sparkasse und einen Bäcker.

Absolut zu empfehlen ist das “Eiskaffee Seidel“. Gegenüber findet man “Zum weißen Roß“, welches nicht nur Speis und Trank sondern als Pension auch Unterkunft bietet (Tel.: 0171/ 6569033). Der Bus fährt regelmäßig auch direkt bis zum Hbf von Weimer.

Weiter gehts am Friedhof vorbei und dann rechts 1,8 km auf der schmalen Landstraße nach Nermsdorf.

Die VIA REGIA zeigt sich hier als asphaltierte Obstbaumallee, die wie eh und je Nermsdorf mit dem Rest der Welt verbindet.

Mit Spielplatz und Teich in der kraftvollen Mitte und der gut erhaltenen Ortsmauer zeigt das kleine etwas abseitz gelegene Dorf sich schmuck und gut geschützt. Es läßt aber leider eine Möglichkeit zum Einkehren vermissen.

Die VIA REGIA führt von hier aus weiter als Betonweg nach Oberrießen.

nach oben