Vom Wasserschloss zum Naherholungsgebiet Pahna
Eine Fusswanderung von Windischleuba nach Pahna

Bilder und Text von Helga Müller


Angeregt durch den Wegweiser vor dem Wasserschloss, haben wir uns für den Weg zum Erholungsgebiet Pahna entschlossen, ein ca. 5 km entfernter Weg.

Wir gehen die Dorfstraße entlang und schon da fallen uns die vielen schönen Fachwerkhäuser und die blühenden Gärten auf. Wir überqueren die Bundesstraße 7 und laufen ihr ein Stück parallel. Dabei überqueren wir die Pleiße.

Die Pleiße entspringt am oberen Ortsende der Gemeinde Ebersbrunn, Kreis Zwickau, in einer kleinen, gefassten Quelle und mündet in der Stadt Leipzig als größter Nebenfluss in die Weiße Elster. Ihre Lauflänge beträgt 112 km.
Der Flussname ist schon von 976 überliefert(in pago plisina), sicher eine vorslawische Bildung, vielleicht zu (s)plei- =spalten oder von Plevisa = die Fließende abgeleitet. Das slawische Plisa wurde in der erweiterten Form Plis(i)na auch auf das Altsiedelgebiet des Lösshügellandes (Gau Plisni) übertragen.
Wie die meisten Flüsse, die in den unteren Mittelgebirgslagen entspringen, zeichnet sich auch die Pleiße durch eine mäßige Wasserführung aus.

Nun verlassen wir die B 7 und biegen nach links ab. Über einen mit neuem Bitumensplitt befestigten Dammweg laufen wir in Richtung Pähnitz. Rechts und links des Dammes können wir die vielfältigste Vogelwelt beobachten, ein wahres Paradies für Ornithologen. So haben zum Beispiel Schwäne ihre Heimat gefunden und auch die Graureiher. Und den ganzen Weg entlang, den rechts und links Mirabellen-, Pflaumen-, Apfel-, und Birnenbäume säumen, begleitet uns das Konzert der Frösche. Diese sitzen im Schilfdickicht und sind durch ihre grüne Farbe kaum zu erkennen. Am Ende des Dammes, kurz vor Pähnitz, haben wir Gelegenheit, uns das erste Mal auszuruhen.

Blickt man, auf der Bank sitzend, nach rechts, so sieht man den Ort Borgishain. Hier haben Altenburger Naturschutzhelfer mit der Einrichtung eines künstlichen Storchenhorstes die Wiederansiedlung des weißen Storches geschaffen, der seit den zwanziger Jahren nicht mehr im Altenburger Land brütete. Eine Tafel über Weißstörche informiert uns darüber.

Wir gehen einen hügeligen Feldweg entlang und sind in dem kleinen Ort Pähnitz.

Pähnitz war einst ein kleines Sackgassendorf zwischen Windischleuba und Fockendorf. Um 1200 hieß es Pamuwitz, 1306 Panwize, altsorbisch also ein Ort der Leute eines Pan. 1306 nutzte das Bergkloster für den Bau eines Kreuzganges hier einen Steinbruch. 12 burgkornpflichtige sind für 1445 nachzuweisen. Ein verheerender Dorfbrand vernichtete am 16.05.1783 mit 18 Gebäuden fast die ganze Altbausubstanz. 1880 bestanden 5 Anspann-, 8 Handgüterund 13 weitere Häuser. 1958 nutzten die Bewohner noch 7 Hausbacköfen, 10 Jahre später war nur noch einer vorhanden. Pähnitz stellt heute eine stadtnahe Wohngemeinde dar. Im Ort fallen die alten, in den Hang führenden Bergkeller auf, die früher zur Einlagerung der Nahrungs- und Futtermittel dienten. Wir gehen ein Stück durch den Ort mit liebevoll angelegten Vorgärten und biegen am Elektrohäuschen nach links in Richtung Pahna. Hier führt uns eine kleine, selten befahrene Dorfstraße zwischen Feldern gelegen, zum Stausee Fockendorf. Am Rande des Stausees ist ein kleiner Zeltplatz, den aber durch den Wasserrückgang des Sees kaum noch Campingfreunde nutzen.

An der Straßengabelung entscheiden wir uns links für den Fußweg am Ufer entlang durch den Laubmischwald, den Pahnaer Forst.

Der Pahnaer Forst, 1227 Bane genannt, ist neben den Kammerforst und der Leina eines der größten Waldwaldgebiete nördlich von Altenburg. Durch die Gewässernähe und der Laubmischwaldes finden wir hier eine große Fülle von Tierarten. Besonders die Tierwelt verdient Aufmerksamkeit, denn wir finden auf engsten Raum schon allein 6 Spechtarten: Schwarzspecht, Grün- und Grauspecht, Bunt-, Mittel- und Kleinspecht sowie den Spechten Nahestehenden Wendehals. Auch Meisen, Kleiber, Finken sind zahlreich vertreten. Im Frühjahr hört man die „Rufe“ des Pirols und des Kuckucks.
Durch Anbringen von großen Nistkästen durch Altenburger Ornithologen konnte der Waldkauz angesiedelt werden. Als Besonderheit gilt das Brutvorkommen vom Roten und Schwarzen Mila, jedoch brüten hier auch der Mäusebussard und der Habicht.
Der Weg ist ein typischer Waldweg, etwas hügelig, durch den Regen ausgewaschen, durch die oberirdischen Verwurzelungen der Bäume als „Stolperfallen“. Es riecht nach Wald - nach Moder, Pilzen, nach Holz durch Windbruch und abgerodeten Bäumen. Im Mai ist hier ein starker Duft der Maiglöckchen, die sich dann im Wald breit machen.

An der höchsten Stelle des Weges angekommen, der etwas kurvig verläuft, sehen wir links durch die Bäume das Wasser des Stausees und den Staudamm, vor uns die Stauseegaststätte, ein zweites Ziel zum Ausruhen und Verweilen

In der Pleißeaue erstreckt sich zwischen Fockendorf und Windischleuba die 1951 -53 erbaute Talsperre Windischleuba. Sie war ursprünglich als Rückhaltebecken vorgesehen, jedoch erforderte der Mangel an Brauchwasser der Kombinate Böhlen und Espenhain sowie weiterer Betriebe im Gebiet der unteren Pleiße, zum Dauerstau überzugehen. Der Staudamm befindet sich oberhalb von Fockendorf in einer Einengung des Pleißetales.
Hierzu gehören auch die Wald- und Heckenschutzstreifen am Westrand der Talsperre, je ein kleines Pumpwerk in Pähnitz und Borgishain zur Regulierung der örtlichen Vorflutverhältnisse und das Stauseewärterhaus auf Trebener Flur, in dessen Nähe 1969/70 ein Wasserüberlauf entstand.
Außerdem dient die Talsperre der Naherholung So wurde 1962 am Staudamm bei Fockendorf eine Selbstbedienungsgaststätte errichtet. Des weiteren entstanden Anlegeplätze für rund 150 Boote, eine Ruderstation mit 20 Booten, ein Zeltplatz für 250 Personen und sonstige Einrichtungen, wie Volleyball- und Kinderspielplätze. Und Mutige haben in dem See, dessen Wasserqualität durch Verunreinigungen der Industriebetriebe schlecht war, trotzdem gebadet.
Bezüglich der Vogelwelt herrschen an den Vorbecken des Stausees Windischleuba ähnliche Verhältnisse wie an den Haselbacher Teichen.
Der Stausee stellt wegen seiner Größe und seines wechselnden Wasserstandes eines der bedeutendsten und interessantesten Sumpf- und Wasservogeldurchzugsgebiete dar, das etwa mit dem Ismaninger Teichgebiet bei München verglichen werden kann.
Heute gibt es die Industriebetriebe nicht mehr, das Wasser des Sees ist zurückgegangen und man ist derzeit dabei, die Staumauer instand zu setzen, um die umliegenden Orte vor Hochwasser zu schützen.

Auch gibt es die Ruderbootstation nicht mehr wegen des niedrigen Wasserstandes und des zugewachsenen Ufers...

Die Gaststätte ist eine Freiluft-Selbstbedienungsgaststätte, die vor allem an Wochenenden, wenn noch verschiedene Musikveranstaltungen stattfinden, rege besucht wird.

Der Weg geradeaus, an der Gaststätte vorbei, führt uns zu dem Papier- und Heimatmuseum und in den Ort Fockendorf. Da dies aber nicht unser heutiges Ziel ist, gehen wir dem Wegweiser an der Gaststätte nach.

Der Waldweg führt nun immer geradeaus zu unserem Ziel.

Nach ca. 20 Minuten Fußweg durch den erreichen wir den See, unser Weg wird belohnt mit einer schönen Aussicht über den See und den ganzen Erholungspark. Hier haben wir nun verschiedene Möglichkeiten, uns sportlich zu betätigen, baden zu gehen oder einfach nur ausruhen und die Landschaft genießen. Für Wanderlustige ladet noch ein Rundweg um den ganzen See ein. Dabei kann man die verschiedensten Bäume wie Ahorn, Schwarzerle, Birke, Roteiche, Weißerle, Linde, Graupappel und Rubinie entdecken. An einer Schautafel hat man diese Bäume noch einmal in der Übersicht dargestellt.

Man kann auch einen Bummel über den Campingplatz machen oder sich in der Freiluftgaststätte oder im Eiskaffe schon mal für den Heimweg stärken.

Der Wegweiser am Eingang des Erholungsparks zeigt uns die Richtung zum Wasserschloss Windischleuba an. Wir gehen fast den gleichen weg, kürzen nur etwas durch den Pahnaer Forst ab. Da die Wege aber gut ausgeschildert sind, kann uns nicht passieren...

Nach ca. einstündigem Fußmarsch sehen wir schon die Pleißenaue mit dem Ort Windischleuba und als Silhouette die Skatstadt Altenburg.

Nun dauert es nicht mehr lange, und wir haben den Schlosseingang erreicht.

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