Ökumenischer Pilgerweg
Abschnitt Ollendorf - Wallichen – Kerspleben – Erfurt (15 km)
gewandert in entgegen gesetzter Richtung
Fußweg, Radweg
Bilder und Text von Arthur Stegemann
Der Streckenabschnitt ist Bestandteil des
Ökumenischen Pilgerweges
und ist für Pilger in Richtung Westen, also von Ollendorf nach Erfurt, mit den gelben Jakobsmuscheln auf blauem Grund gut ausgeschildert.
Als Tageswanderung von Erfurt nach Ollendorf ist der Weg etwas schwieriger zu finden, weil er erst ab Wallichen als Wanderweg markiert ist.
Die Tour ist bequem zu laufen, weil sie ausschließlich durch flaches Gelände führt.
Man verläßt die Erfurter Innenstadt auf der Trasse der historischen VIA REGIA über die Krämpferstraße an der Stelle, wo einst das Krämpfertor zur Stadt hinausführte, überquert den Juri-Gagarin-Ring, den Flutgraben und die Stauffenbergallee und gelangt in die Leipziger Straße. Außerhalb der Stadtmauern, wenige hundert Meter vom ehemaligen Krämpfertor entfernt, da, wo sich heute das Thüringer Museum für Volkskunde befindet, stand seit 1409 ein Pilgerhospital mit der dazu gehörigen
"Hospitalkirche"
„Es war von zwei reichen Tuchhändlern gestiftet worden, die in besonderem Maße an diejenigen Pilger dachten, die von Erfurt aus noch den weiten Weg
nach Santiago de Compostela vor sich hatten. In einer Verfügung bestimmten sie, dass die Jakobsbrüder nicht nur ein Nachtlager und einen Reisesegen
erhalten sollten, sondern auch ein Paar neue Schuhe. Mit dieser einfühlsamen Gabe wurde gleichzeitig deutlich, dass der Pilger auch hier
'keine bleibende Statt' hatte“,
heißt es dazu im
Pilgerführer. Wenige hundert Meter weiter steht am Hanseplatz, einem kleinen Park stadtauswärts an der rechten Straßenseite, ein
Sühnekreuz
. Es erinnert an eine
Hinrichtungsstätte , die vom 14. bis zum 17. Jahrhundert benutzt und 1999 bei Ausschachtungsarbeiten
für die heute unter dem Platz gelegene Tiefgarage freigelegt wurde.
Etwas weiter auf der Leipziger Straße lädt heute das Internationale Islamische Kulturzentrum Erfurter Moschee e.V. zu interkulturellen Begegnungen ein.
Wer nicht durch die Leipziger Straße laufen mag, kann bis zur Stadtgrenze auch die Straßenbahn Linie 5 bis zum
Marcel-Breuer-Ring
benutzen. Nach wenigen
Minuten gelangt man von hier aus auf der Landstraße nach Buttelstedt unter der Unterführung des Autobahn-Zubringers hindurch zu einem asphaltierten
Landwirtschaftsweg, der unmittelbar hinter der Autostraße links abzweigt. Hier verlässt man den Verlauf der historischen VIA REGIA. Nach etwa 500 m zweigt
vom Landwirtschaftsweg ein unbefestigter Feldweg rechts ab. Im Norden erhebt sich eine kleine Hügelkette. Deren markanteste Punkte sind der "Herrschaftsberg",
der "Große“ und der „Kleine Katzenberg". Im Bereich dieser Hügelkette befinden sich geschützte Landschaftsbestandteile. Vor allem Trockenbiotope und
Streuobstwiesen. Der Weg führt durch
Felder und Wiesen
bis zum Ortseingang von
Kerspleben.
Hier trifft man wieder auf die
Landstraße nach Buttelstedt.
Kerspleben ist seit 1994 ein Ortsteil von Erfurt. Am
Pfarrhaus
erinnert eine Gedenktafel daran, dass während des Siebenjährigen Krieges im September 1757,
als die preußischen Truppen Erfurt besetzt hatten, König Friedrich II. von Preußen hier für einige Tage sein Hauptquartier aufschlug.
Wanderer und Touristen finden im Ort mehrere Gastsätten und Hotels. Bäcker, Fleischer und ein Supermarkt sind ebenfalls vorhanden. Am Ortsrand überquert
man den
Linderbach
und läuft weiter in östlicher Richtung. Noch lange grüßt der Turm der
Heilig-Geist-Kirche aus der Ferne. Es führen nun zwei Wege von Kerspleben nach
Wallichen.
Benutzt man den Pilgerweg in entgegen gesetzer Richtung, kommt man am Ortseingang von Wallichen zur Bushaltstelle. Benutzt man
den weiter südlich verlaufenden Weg, gelangt man an den Ortsrand von Vieselbach und muss der Ausschildung nach noch etwa 1 km weiter nach Wallichen laufen.
Wallichen gehört als Ortsteil von Vieselbach seit 1995 ebenfalls zur Landeshauptstadt. Die Ortschaft bezeichnet sich selbst als „Gartendorf am Pilgerweg“
Hier „findet man noch unberührte Natur, klare, saubere Luft und am Abend einen ungetrübten Sternenhimmel. Im Sommer ist der Ort eine grüne Oase am äußersten
Rande der Landeshauptstadt. Als Sackgassendorf mit einer reizvollen, leicht gewölbten
Basaltpflasterstraße ist es frei von jedem Durchgangsverkehr. Um das Dorf liegen Felder, Wiesen, ein bewaldeter Höhenzug, der Kirschberg, und etwas weiter der
Wallichen-Berg. Neben Fuchs und Reh trifft man hier auch auf Eulen und Fasane. Nahrhafte Kräuter gibt es an jeder Ecke. Ein Ort zum Relaxen und Stille
genießen. Von hier aus kann man sofort mit dem Hund losziehen oder sich auf das Fahrrad schwingen und die Umgebung genießen.“ Ab Wallichen gibt es auch
eine gute Ausschilderung der Wanderwege. Seit 1995 hat sich im Ort ein Biker-Zentrum entwickelt,
dessen Interessenten sich wöchentlich im
Motorradclubhaus
treffen, das auch als öffentliche Gaststätte zur Rast einlädt. Bevor man den Ort verlässt,
sollte man noch einen Blick auf die kleine
Dorfkirche
werfen, über die Prof. Gottfried Kiesow, der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
sagte:
"Erhaben in ihrer Schlichtheit, bezaubernd in ihren Details, sind die Dorfkirchen ein Ausdruck des Reichtums unserer Kulturl andschaft.
Es gilt, möglichst vielen Menschen bewusst zu machen, welche Schätze für kommende Generationen zu bewahren sind."
Nun führt der
Weg nach Ollendorf.
Die Route ist nicht zu verfehlen, weil sie vor allem durch das Engagement des Heimatfreundes
Matthias Dünger eindeutig ausgeschildert ist.
Im Ort kehrt man zurück auf die historische Straße VIA REGIA. Die
Wasserburg am Ortsrand diente als Geleitburg. Nach ihrer Zerstörung durch einen Brand entstand Ende des 17. Jahrhunderts ein schlichtes Herrenhaus in ländlichem Barock,
ergänzt durch Speicher- und Scheunengebäude. Nach dem Niedergang der alten Via Regia im 19. Jahrhundert diente die Anlage vorwiegend landwirtschaftlichen Zwecken, stand
schließlich Jahrzehnte lang leer und verfiel zusehends. 1998 wurde die Wasserburg vom Arbeitskreis Denkmalpflege in Pflege genommen und wird seit 1999 gemeinsam
mit dem Netzwerk
Offene Häuser betrieben.
In der Nähe von Weimar und Erfurt entwickelt sich die Wasserburg Ollendorf allsommerlich zu einem kreativen, kunstsinnigen und offenen Ort, der von
jungen Menschen instandgesetzt und belebt wird. Im Sinne ihrer alten Funktion als Herberge soll die Burg wieder ein Ort des Kommens und Gehens werden,
der Vermischung verschiedener Kulturen, eine Art neuzeitliche Karawanserei. So ist es naheliegend, dass die Wasserburg auch Wanderern auf dem Ökumenischen
Pilgerweg als Herberge zur Verfügung steht, wenn die
Anmeldung
auch recht lapidar gehandhabt wird.
Am Wochenende kann man von Ollendorf aus aber auch mit dem Bus zurück zum Marcel-Breuer-Ring nach Erfurt fahren, begleitet von den freundlichen
Wünschen einer
Landschaft und ihren Menschen
, die sorgsam und liebevoll ihre Natur, ihre Geschichte und ihren Charakter bewahren.