Der Radfernweg Thüringer Städtekette: Abschnitt Vieselbach – Niederzimmern – Hopfgarten – Tröbsdorf – Weimar
Bilder und Text von Rainer Borsdorf

Achtung! Auf dem gesamten Abschnitt fand sich kein einziger Hinweis auf den „Städtekette-Radweg (Stand: Juni 2006)!

Wer mit der Deutschen Bahn fährt und die Tour in Vieselbach beginnen oder beenden möchte, hat’s schwer: Der Bahnhof Vieselbach ist (wie so viele kleine Bahnhöfe) im desolaten Zustand. Das Verlassen oder Besteigen des Zuges bedarf akrobatischer Kraft, da der Bahnsteig viel zu niedrig ist, und statt eines Aufzuges erwartet den Radler zweimaliges Treppen-Rad-Tragen.

Nachdem man den Bahnhof verlassen hat, geht es auf Asphalt rechtwinklig zu den Gleisen, bis man auf die Straße nach Niederzimmern stößt, in die man rechts einschwenkt. Wer die Tour wie beschrieben macht, hat Glück, denn er kann auf Asphalt fahren – in der Gegenrichtung hat der Radler mit Kopfsteinpflaster und Sand zu kämpfen. In der Ortsmitte angekommen, lädt rechter Hand Konditorei/ Eiscafé Wilhelm Kühne (Tel. 03 62 03/ 5 16 35) zum Verweilen ein.

Der Weg folgt nun weiter der Straße nach Niederzimmern, die mäßig befahren und durchgehend asphaltiert ist. Sie führt durch Felder und Wiesen, ist von zahlreichen Bäumen besäumt und bietet einen Blick zum Ettersberg mit dem Glockenturm der Gedenkstätte Buchenwald.
In Niederzimmern lohnt sich gleich nach dem Ortsschild ein Abstecher nach links zur schön sanierten Friedhofskapelle; Bänke vor dem Eingang laden zur Rast ein.

Wieder auf die Hauptstraße zurückgekehrt, gabelt sich die Straße schon bald:
Richtung Weimar geht es nach rechts, doch links (Richtung Ottstedt am Berge) lohnt ein Abstecher zur St.-Wigberti-Kirche – einer der beiden Kirchen im Ort, die heute noch erhalten ist; ihre Schwesterkirche St. Bonifacius wurde 1854 abgebrochen. Der Bau von St. Wigberti wurde 1372 begonnen und 1450 mit dem (Wehr-) Turm vollendet. 1617/18 wurde sie umgebaut, wie die lateinische Inschrift an der nördlichen Außenmauer belegt. An der gleichen Seite, allerdings in 6 m Höhe, findet sich ein Hinweis darauf, dass während des Dreißigjährigen Krieges der Schwedenkönig Gustav Adolf die Kirche besuchte.

Der Innenraum wurde Anfang des 18. Jahrhunderts komplett im Stil des sog. Bauernbarock umgestaltet und erhielt damit sein heutiges Erscheinungs-
bild. Bereits von 1618 stammt hingegen die komplette Bemalung der Emporenbrüstungen mit biblischen Geschichten, die an die sog. „Biblia pauperum“ („Armenbibel“) angelehnt sind. Die Bilder wurden bei Renovierungsarbeiten 1932 wiederentdeckt und geben Szenen aus dem Alten und Neuen Testament wieder. In ihrer Fülle und Vielfalt machen sie den Kircheninnenraum zu einem einzigartigen Kunstwerk, der allerdings noch der Restaurierung bedarf. Frisch saniert ist hingegen das Äußere der Kirche.

Seit 1997 gibt es im östlichen Ortsrand einen besonderen Kräutergarten, den man über die Weimarische Straße (Nähe Sportplatz) erreicht.

Zurück auf der Hauptstraße, geht es weiter auf der asphaltierten, mäßig befahrenen Straße nach Hopfgarten.
Unterwegs sieht man linker Hand die Talsperre Hopfgarten, an der immer wieder Angler und an heißen Tagen auch Badende anzutreffen sind. Nach dem Ortsschild geht es links weiter Richtung Kirche.

Hopfgarten liegt im idyllischen Grammetal, am Fuße des Wartberges und wurde schon 842 im Güterverzeichnis der Reichsabtei Fulda erwähnt. Die Kirche St. Vitus ist die größte im Kirchspiel; ihr Name leitet sich vom gleichnamigen Patron der Kupferschmiede ab, der auch dem Veitsdom zu Prag seinen Namen gab. Vorläufer der Kirche war ein um 1075 errichteter Wehrturm, an den später ein Kirchenschiff im gotischen Stil angebaut wurde.

1738 wurde die Kirche gründlich überholt und umgebaut, ihre heutige Form erhielt sie jedoch 1833/34 nach Plänen von C.W. Coudray im klassizistischen Stil als Saalkirche mit Tonnendecke. Das in Seide gestickte Wappen an der mittleren Empore gehörte zu den Rittern von Hopfgarten, von deren bäuerlicher Herkunft die zwei gekreuzten Mistgabeln auf goldenem Schild zeugen. 1917, zur 400. Wiederkehr des Reformationstages, wurde mit Unterstützung der ganzen Dorfgemeinde ein Nagelbild angefertigt, das aus 2580 goldenen u. eisernen Nägeln besteht und eine Bibel mit den Initialen Martin Luthers, ein Schwert und das Datum des Jahrestages zeigt. Eines der ältesten Stücke in der Kirche ist der Epitaph der Patrizierfamilie Ziegler aus Erfurt von 1350, der eine betende, knieende Frau zeigt und sich an der Südseite des Turmes befindet.

Die Kirche verlassend, folgt man nun der Friedegasse, fährt links in die Enge Gasse und weiter rechts in die Straße Im Tillgarten, die parallel zum Weimarbach verläuft, der allerdings hier nur ein schmales Rinnsal ist. Hier lohnt sich ein Halt am „Paradies“, einer idyllischen Wasserstelle mit Sitzgelegenheit.

Nach der Rast geht es weiter auf der Straße geradeaus und sowohl bei der ersten als auch bei der zweiten Gabelung halten wir uns rechts, verlassen den Ort und gelangen auf einen Feldweg, der ein echter Härtetest ist: Grober Schotter, der sich mit Lehmboden abwechselt, viele Schlaglöcher und Unebenheiten machen das Fahren zur Tortur und den Weg nach starken Regenfällen praktisch unpassierbar. Der Weg nähert sich immer mehr der Eisenbahnstrecke Weimar – Erfurt, die auch überquert werden muss. Die richtige Stelle dazu ist nur an einem gepflasterten Weg erkennbar, der rechts vom Feldweg abzweigt.

Nach der Brücke geht es links weiter, wo der Weg in ähnlich schlechter Qualität weiter nach Tröbsdorf führt. In Tröbsdorf mündet der Weg in eine asphaltierte Straße, die direkt auf die schön sanierte Kirche zuführt.

Der Ort ist seit 1994 zu Weimar eingemeindet. Doch wen hungert und dürstet, der muss nicht erst bis Weimar fahren, sondern kann in der Gaststätte „Birkenhof“ oder der „Gaststätte Tröbsdorf“ einkehren, unter deren Dach sich auch ein kleiner Tante-Emma-Laden befindet.
Beide Gaststätten liegen direkt an der Straße nach Weimar, der man von hier an immer geradeaus folgt, bis sie die B7 kreuzt. Danach biegen wir rechts in die Schwanseestraße ein und fahren auch diese immer geradeaus, bis wir direkt am Goetheplatz und damit im Zentrum Weimars angelangt sind.

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